Silvers Rebellin
Band 2 der Saga der Silver-Brüder
Er macht die Regeln. Sie bricht sie.

• Bodyguard-Romanze • Altersunterschied • Wahlfamilie • Geheime Identität •
Hoher Spice / Standalone-Roman
Er ist Bodyguard. Sie ist seine Klientin.
Und ihre Ähnlichkeit zu seiner toten Frau entfacht mehr als nur Erinnerungen.
Gabriel Silver
Samantha Connor trat in mein Leben wie ein Geist aus meiner Vergangenheit –
rebellisch, unberechenbar… und mit einer verstörenden Ähnlichkeit zu meiner ermordeten Frau.
Sie riss alles in mir auf, was ich längst begraben hatte.
Verlangen. Schuld. Besessenheit.
Als sie zwischen meiner Klientin und der Mafia gerät, bleibt mir nur eine Wahl:
Ich bringe sie außer Reichweite –
ans andere Ende der Welt.
Doch Samantha lässt sich nicht verstecken.
Sie stellt Fragen.
Sie überschreitet Grenzen.
Und als die Wahrheit ans Licht kommt, beginnt alles zu zerbrechen,
worauf ich mein Leben aufgebaut habe.
Samantha Connor
Gabe sollte nur eine Ablenkung sein.
Eine Nacht. Keine Zukunft.
Doch er wurde zu dem einen Mann, von dem ich mich nicht lösen konnte.
Ich hätte die Warnzeichen sehen müssen.
Sein Blick.
Seine Geheimnisse.
Die Art, wie er mich beschützte… als hätte er mich längst verloren.
Die dritte rote Fahne war die, die mich zerstörte:
Seine Lüge.
Eine Wahrheit, die alles verändert.
Und uns beide das Leben kosten könnte.
Silvers Rebellin ist Band 2 der Saga der Silver-Brüder und kann unabhängig gelesen werden.
Der Roman erschien erstmals 2018 unter dem Titel Verrückt nach Silver und wurde für diese Ausgabe vollständig neu konzipiert und überarbeitet.
Für Leserinnen von hochwertiger Romantic Suspense mit emotionaler Tiefe und packender Spannung.
Für ein erwachsenes Publikum.
Als ich heute Morgen aufwachte, hatte ich nicht erwartet, meiner Vergangenheit zu begegnen.
Ich parkte gegenüber dem Club und stellte den Motor ab. Die dunkle Gasse schien ein guter Ort, um die Menge im Auge zu behalten. Keine fünfzehn Meter von mir entfernt erwachte das New Yorker Nachtleben. Die heutige Überwachung würde einfacher sein als sonst.
Sitzen. Beobachten. Warten.
Ich verschränkte die Hände hinter dem Kopf und ließ den Fahrersitz ein Stück nach hinten sinken. Auf einen einundzwanzigjährigen Klienten aufzupassen, war mir jederzeit lieber, als nach Särgen mit leblosen Körpern zu graben. Kendra hatte der Firma mehr Ärger eingebracht, als irgendwer erwartet hatte, aber ohne ihre Familie hätte es noch mehr Opfer gegeben. Außerdem war sie nach zehn Jahren längst mehr als nur eine Klientin. Sie war Familie.
Hinter einem Müllcontainer raschelte es, und sofort war ich aufmerksam. Ein Schub Adrenalin schoss mir durch die Adern und erinnerte mich an meine Zeit als Ermittler. Ich ließ das Fenster herunter. Vorbeirasende Taxis, aufheulende Motoren, quietschende Bremsen, Hupen und Sirenen verschmolzen zu einer einzigen nächtlichen Melodie. Ganz in der Nähe hallte Gelächter von der Straße herüber, wo sich für die Eröffnung des neuen Nachtclubs meines Freundes – Kissed – eine Schlange um die Ecke zog.
Innerlich stöhnte ich auf. Menschenmengen bedeuteten Ärger, und Ärger war für jemanden wie mich ungefähr so klug, wie an einen Elektrozaun zu pissen. Es gab absolut nichts Angenehmes daran, wenn dir ein Stromstoß durch die Eier schoss. Das wusste ich aus eigener Erfahrung auf der Ranch.
Ich legte den Kopf zur Seite. Wie auf Kommando trat eine Frau aus dem leerstehenden Gebäude in die Gasse. Sie warf einen Blick über die Schulter und schlich auf den Fußballen, um das Klackern ihrer Absätze zu dämpfen. In enges Leder gehüllt, schwang ihr Hintern leicht hin und her, während sie hastig hinter einem Müllcontainer verschwand.
„Was machst du da?“, murmelte ich.
Sie griff nach hinten, öffnete ihre Hose und ging in die Hocke. Der Container verbarg sie gut genug, dass sie von niemandem gesehen wurde – es sei denn, jemand kam durch die Seitentür des Club Forever. Man hörte deutlich das Zischen eines kräftigen Strahls. Ich unterdrückte ein Lachen, als sie erleichtert aufseufzte. Sie war schnell fertig, wackelte kurz mit dem Hintern und zog die Hose wieder hoch. Die Rebellin checkte noch einmal ihre Umgebung, strich sich über die Oberschenkel, straffte die Schultern und stieg über die Pfütze hinweg, bevor sie hastig aus der Gasse verschwand.
Ihr selbstsicherer Gang geriet ins Stocken, als sie mein Auto endlich bemerkte. Die junge Frau warf einen Blick über die Schulter und dann wieder nach vorn – zum einzigen Ausweg aus der Gasse, direkt an meinem Wagen vorbei. Sie griff in ihre Handtasche und beschleunigte ihre Schritte.
Die Nacht konnte nur in Ärger enden. Ich hatte ein Gespür für solche Dinge.
„Du bist der feuchte Traum jedes Entführers“, rief ich ihr hinterher, als sie an mir vorbeihastete. War vermutlich nicht mein bester Einstieg, aber es war eine Weile her, dass ich unter … Menschen gewesen war.
Sie fuhr herum, fing sich auf ihren hohen Fick-mich-jetzt-Heels und zog die Hand aus ihrer Clutch – im nächsten Moment richtete sie eine Düse direkt auf mein Gesicht.
„Du krankes Schwein!“
Das musste ich ihr lassen – mit Pfefferspray hatte ich nicht gerechnet. Hätte ich aber.
Ich riss die Hand hoch, um den Strahl abzufangen, bevor sie abdrückte. „Warte! Nicht! Ich tue dir nichts!“
Ihr Finger blieb angespannt auf dem Auslöser. Mit durchgestrecktem Arm zielte sie weiter auf mich – und mein Blick wanderte von der Düse zu ihren Augen.
Verdammt.
Unsere Blicke verhakten sich wie in irgendeinem beschissenen Happy-End-Film, und alles in mir erstarrte. Mir blieb die Luft weg, weil ich dachte, ich würde einen Geist sehen. Die leicht aufgeworfene Nase, die weichen, runden Wangen, der blonde Seitenzopf … und diese Lippen, die nach Küssen schrien – eine gnadenlose Erinnerung an alles, was ich verloren hatte. Diese unheimliche Ähnlichkeit ließ mein Herz stocken. Ich blinzelte wieder und wieder, bis mein Körper zu zittern begann und die aufbrandenden Erinnerungen zurückdrängte.
„Was stimmt nicht mit dir?“ Sie senkte die Hand, trat vom Seiteneingang des Clubs weg und kam ein Stück näher.
Ich hatte gelernt, diese Anfälle zu kontrollieren. Nichts Neues. Nur lange her. Ich rief mir die Worte aus der Therapie ins Gedächtnis, zwang meinen Atem in ruhigere Bahnen – und mein Puls ließ endlich nach.
Verdammt peinlich.
„Nichts. Alles gut“, fuhr ich sie an.
Die Sekunde der Stille zog sich wie eine Ewigkeit. Die Erinnerungen hingen an mir, frisch und unerbittlich – genau der Grund, warum ich Menschen mied. Ich war kein guter Umgang.
Aber ich würde sie auch nicht einfach in den Club Forever gehen lassen.
„Du willst da nicht rein.“ Ich deutete auf die Seitentür.
„Eigentlich nicht. Aber jetzt bin ich neugierig. Warum sollte ich da nicht reingehen?“
Ein leises Knurren vibrierte tief in meiner Brust. Ihre Stimme, ihr Auftreten, diese Mir-doch-egal-Haltung – all das traf einen wunden Punkt. Eine bittere Erinnerung daran, wie ich versagt hatte, ein rebellisches Mädchen wie sie zu beschützen.
Weil Club Forever seine Frauen gern für immer behält. Oder so hatte ich gehört.
Ich sagte es ihr nicht. Wir standen in einer dunklen Gasse, und ich hatte sie schon genug aufgeschreckt – ich brauchte kein Bärenspray ins Gesicht.
„Club Forever ist nichts für Frauen wie dich.“
„Woher willst du wissen, was für eine Frau ich bin?“
„Zum Beispiel die Sorte, die es nicht mal bis zur nächsten Toilette schafft.“
„Das ist nicht meine Schuld. Ich musste genug trinken – ich habe was zu feiern. Und was machst du in einer dunklen Gasse?“, konterte sie, als wäre ich die attraktive Frau – was ich definitiv nicht bin –, die hier draußen durch gefährliche Straßen spazierte.
„Ich bin nicht derjenige, der kein Klo findet.“
Selbst im Halbdunkel sah ich, wie sich ihre Wangen röteten.
„Du bist eine Rebellin. Und Ärger. Genau das bist du.“ Ich drückte den Knopf am Lenkrad. Die Tür schwang träge in einem Halbkreis auf. Ich stieg aus und lehnte mich lässig gegen die Motorhaube – wie Magnum P.I. Na ja, im Grunde war ich so etwas Ähnliches. Nur jünger. Und mit besserem Spielzeug.
Sie verlagerte unruhig ihr Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Die Vorsicht gefiel mir. Trotzdem hätte sie gar nicht erst in dieser Gasse sein sollen.
„Macht es dich an, Leuten beim Pinkeln zuzusehen?“
Ich schnaubte leise. „Nein. Mich macht es an, dafür zu sorgen, dass Frauen wie du heil nach Hause kommen. Diese Gasse ist nicht sicher. Du solltest hier nicht pinkeln.“
Das war die Wahrheit.
Sie lachte leise auf. „War das gerade ein Wortspiel?“
„Vielleicht.“
Sie steckte die Dose mit dem Bärenspray – oder was auch immer ich da knapp vermieden hatte – zurück in ihre glitzernde Clutch und klemmte sie unter den Arm. Die Bewegung zog meinen Blick unweigerlich nach unten – zu ihrem eng geschnürten Korsett-Top, das sich perfekt an ihren Körper schmiegte. Es betonte jede Kurve – besonders die in dieser verdammt engen Lederhose.
„Wie du siehst, komme ich bestens klar. Und ich brauche keinen Mann, der mir sagt, was ich tun soll. Außerdem – ist es nicht längst nach deiner Schlafenszeit?“
Ich lachte leise und schüttelte den Kopf. „Klar. Aber wenn du einen Mann wie mich hättest, würde der dich nicht in einer Gasse pinkeln lassen.“
Ein Schauer lief ihr über die Haut.
„Dann ist es ja gut, dass ich keinen Mann wie dich habe. Sonst würde ich mir wahrscheinlich in die Hose machen. Die Schlange ist einfach zu lang.“ Sie deutete über die Straße.
Ich zog eine Augenbraue hoch. „Das ist ein Widerspruch. Du willst ins Kissed?“
War sie überhaupt alt genug, um da reinzukommen?
Ihr zögerndes Nicken – kaum mehr als ein Hauch von Bewegung – erinnerte mich an jemanden. An jemanden, der unschuldig und gutherzig war, aber auch stur … und wie geschaffen dafür, Ärger anzuziehen. Es waren immer die Stillen, die mich in Schwierigkeiten brachten. Ich stieß leise die Luft aus.
„Es ist die Eröffnungsnacht meiner Freundin“, sagte sie und strich sich eine lose Haarsträhne hinters Ohr.
Und plötzlich wurde es mir klar.
Samantha Connor. Kendras Freundin.
Ich hätte sie längst kennenlernen sollen, aber meine Wunden waren damals noch zu frisch gewesen, mein Kopf zu weit weg gewesen, um mich um Arbeit zu kümmern – und jeder, der mit Kendra zu tun hatte, war Arbeit. Nachdem ich als Privatdetektiv gescheitert war, hatte ich einen Schritt zurückgemacht und war zu meinen Brüdern James und Hunter in die Überwachungsabteilung von Silver Securities gewechselt.
„Hat deine Freundin dich nicht auf die Gästeliste gesetzt?“ Ich deutete mit dem Daumen über die Schulter zur Straße. „Weißt du … damit du nicht anstehen musst. Und nicht in irgendwelchen Gassen pinkelst.“
„Vielleicht.“
„Würde ich überprüfen. Bevor ich hier noch mit den Ratten anfreunde.“
Sie legte die Hüfte schief und verlagerte das Gewicht auf ein Bein, und ihr Hintern schob sich dabei unübersehbar zur Seite. Sie blinzelte langsam unter ihren schweren Wimpern, lächelte mit diesen viel zu unschuldigen Lippen – und wurde rot.
Dieses Mädchen würde heute Nacht Ärger machen. Und sie hatte keine Ahnung.
„Aber wenn ich diese Gasse gemieden hätte, hätte ich dich nicht getroffen“, sagte sie hell.
Diese Stimme.
Sie glitt in meine Ohren, traf etwas Tiefes in mir, ließ Erinnerungen aufsteigen, die ich längst begraben hatte.
Plötzlich war diese Gasse der letzte Ort, an dem ich sein wollte.
Scheiße.
Jetzt, wo ich sie so vor mir sah, fragte ich mich unwillkürlich, ob wir uns schon einmal begegnet waren. In einem anderen Leben vielleicht. Sie legte den Kopf schief, und ihr Zopf rutschte nach vorn, über ihr Dekolleté. Für einen Moment stellte ich mir vor, wie dieses Haar über meine Brust fiel.
Ihr Blick wanderte langsam nach unten – zu mir.
Und mir wurde schlagartig bewusst, dass ich hart war.
Sie räusperte sich.
Und ich kam mir vor wie ein totaler verdammter Perversling.
„Ähm … ich sollte besser gehen.“ Ihre Stimme brach leicht. Sie drehte sich noch einmal um, trat auf den Gehweg und rief über die Schulter: „Ich schau nach der Gästeliste – und danke für den Tipp!“
Samantha lief in Richtung des Clubs davon und ließ mich allein in der Gasse zurück.
Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich dort gestanden und an sie und meinen neuen Auftrag gedacht hatte. Wahrscheinlich zu lange. Es wäre noch länger geworden, wenn nicht genau in dem Moment mein Cousin und mein Partner bei Silver Securities in seinem Bentley vorgefahren wäre.
Julian Silver ließ das Fenster herunter. „Hey, Gabe! Du kommst zu spät!“
Ich warf einen Blick auf meine Uhr und grunzte leise. „Ich bin nie zu spät.“
Er stellte den Motor ab, und die Scheinwerfer gingen aus.
„War das Kendras Freundin?“
„Ja.“
„Hat sie dich erwischt? Kendra bringt ihr Selbstverteidigung bei.“
Oh, sie hat mich erwischt. Nur nicht auf die Art, die Julian meinte.
„Danke, dass du das übernimmst.“ Er reichte mir eine Akte aus dem Fenster.
„Ich würde sagen, du schuldest mir was – aber das tust du sowieso schon.“ Die Worte schmeckten rau, als würden sie sich ihren Weg durch meine Kehle kratzen. Seit der Beerdigung lag dieser bittere Geschmack ständig auf meiner Zunge.
Meine Uhr piepte – drei Minuten. „Ich hab noch eine Minute. Gib mir die Kurzfassung.“
„Kendra hat vor zwei Nächten einen Deal gemacht und heute einen anderen platzen lassen. Diesmal hat sie sich mit den Falschen angelegt. Hartley ist einer davon. Es kursieren Gerüchte, dass sie Vergeltung planen. Sie kommen. Ich weiß nicht, wie lange wir sie noch unter dem Radar halten können – vor allem jetzt, wo sie Kissed eröffnet hat. Die Leute werden Fragen stellen. Ihr Profil ist in Gefahr. Und damit auch Silver Securities.“
„Typisch. Du stehst auf komplizierte Frauen“, murmelte ich.
„Es liegt nicht an ihr. Es sind die Drogen.“ Julian stellte sich wie immer vor Kendra – aber der Mann hing an ihr, als gäbe es kein Morgen. Und wir standen bei ihr in der Schuld.
Ich legte ihm die Hand auf die Schulter. „Ich weiß. Wir holen sie da raus. Ich werde auf sie aufpassen. Sie ist Familie.“
Julian hätte den Job genauso gut übernehmen können. Tristan, sein jüngerer Bruder, ebenfalls. Aber sobald man sich mit einer Klientin einließ, wurde alles kompliziert.
Kendra stellte die Geduld meiner Tante und meines Onkels täglich auf die Probe, und trotzdem liebten sie sie wie ihre eigene Tochter. Mein älterer Bruder hatte eine kranke Tochter, um die er sich kümmern musste, und Hunter war kaum den Windeln entwachsen – jedes Wochenende auf der Jagd nach dem nächsten Rock. Seine dreiundzwanzigjährige Energie schien von den Wänden abzuprallen.
„Kendra hat ihre Methoden“, erinnerte Julian mich.
„Ich lese mir morgen früh als Erstes die Akte komplett durch. Heute Nacht bin ich im Einsatz.“ Ich nickte in Richtung des Clubs auf der anderen Straßenseite, wo Ärger in der Luft lag.
„Alles klar. Ruf mich an, wenn du mich brauchst. Ich bin nicht weit.“
Ich sah ihm direkt in die Augen und zeigte ihm ein übertrieben motiviertes Daumen hoch.
Er verdrehte die Augen. „Bring dein Leben in Ordnung, Gabe. Ein bisschen vernünftige Arbeit wird dir guttun.“
Was auch immer.
Er ließ den Motor an, und der Wagen schnurrte leise. Julian warf noch einen Blick über die Straße, schüttelte den Kopf, hob die Hand zum Abschied und fuhr davon.
Ich verriegelte meinen Wagen und ging über die Straße zum Hintereingang des Clubs. Das aufgebrochene Schloss erinnerte mich daran, es zu ersetzen.
Ich ging durch den Hinterbereich in den abgetrennten Bereich, wo Ace und Axel Wagner in einer Ecke auf mich warteten. Die Brüder hielten jeweils ein Glas Bourbon auf Eis. Der bernsteinfarbene Whiskey schimmerte im gedämpften Licht. Wir schüttelten uns die Hände, dann setzte ich mich ihnen gegenüber.
„Was gibt’s?“
Die Kellnerin musste mich schon gesehen haben, denn sie brachte mir sofort mein übliches Getränk.
„Danke.“ Sie ließ uns in der Ecke allein.
„Rate mal, wer das Gebäude gegenüber gekauft hat“, sagte Ace.
„Euer Vater. Das weiß jeder.“
„Nicht Club Forever. Das Gebäude daneben.“
„Hartley? Der hat doch schon das Hotel auf der einen Seite.“
Ich hob das Glas an die Lippen, hielt aber inne.
„Warum braucht Scar schon wieder einen Stripclub?“
„Ein Backupplan … wir haben etwas Neues herausgefunden. Die Organisation wächst.“ Die Brüder wechselten einen Blick, der mir die Haare auf den Armen aufstellte.
„Scar glaubt, dass Infinity im Gebäude nebenan operieren wird. Rebels wird zwischen den Hartleys eingeklemmt sein. Das könnte unser Einstieg sein.“
„Rebels?“
„Der neue Stripclub.“
Axel beugte sich vor. „Das ist eine Chance, die Silver Securities nicht verpassen darf. Hartley kennt keine Grenzen. Je länger die Staatsanwaltschaft wartet, desto dreister wird er.“
Ich stellte mein Glas ab und beugte mich vor. „Hol Julian mit ins Boot. Ich bin aus dem Geschäft raus. Der Fall liegt bei den Flintstones.“
„Bis jemand betroffen ist, den du liebst.“
Genau deshalb habe ich niemanden an meiner Seite.
„Du steckst da mit drin. Wir alle sind es. Und wenn Infinity auf der anderen Straßenseite operiert, gerät das Geschäft deines Mädchens in Schwierigkeiten.“
„Kendra ist nicht mein Mädchen. Sie ist eine Klientin. Ich spreche mit dem Team, wir sollten ein Treffen ansetzen. Natürlich könnt ihr auf alle Ressourcen von Silver Securities zurückgreifen.“
Ressourcen waren nicht das Problem. Und mein Angebot klang selbst für mich hohl. Aber ich war verdammt nochmal nicht in der Stimmung. Schon lange nicht mehr.
Mein Blick glitt zu der kleinen Traube an Gästen vor der Bar. „Genießt den Abend. Die Drinks gehen aufs Haus.“
Die Brüder stießen ihre Gläser an und sanken entspannt in die gepolsterten Sitze zurück.
Ich schwang mich über die Theke und zog meine Lederjacke aus.
Morgan, die andere Barkeeperin, verzog das Gesicht. „Du bist spät dran, und die Leute haben Durst.“
Ich stopfte die Jacke unter die Theke und wusch mir die Hände. „Ich bin nicht zu spät.“
„Wäre trotzdem besser, wenn du ein paar Minuten früher da wärst. Zum Vorbereiten.“
„Wäre noch besser, wenn ich für den Job bezahlt würde.“
Das war gelogen. Für Familie brauchte ich kein Geld. Und ein paar hundert mehr hätten an meinem Vermögen sowieso nichts geändert.
„Mit der Einstellung kriegst du Ärger mit der Chefin.“
„Sie ist deine Chefin, nicht meine. Wo ist Kendra überhaupt?“
Morgan zuckte mit den Schultern, doch ein blonder Zopf auf der anderen Seite der Bar zog sofort meine Aufmerksamkeit auf sich.
„Und die da? Was trinkt sie?“ Ich nickte in Richtung von Kendras Freundin aus der Gasse.
„Eine Virgin Mary.“
„Vielleicht doch nicht so rebellisch.“
Das Grinsen, das sich in meinem Mundwinkel bildete, fühlte sich fremd an. Unerwartet. Es war lange her, dass eine Frau etwas in mir ausgelöst hatte.
„Was ist, Silver?“, fragte Morgan.
„Nichts. Legen wir los.“
„Hier.“ Sie hielt mir ein schwarzes Stück Stoff hin, darauf ein übergroßer pinker Lippenabdruck, der im Dunkeln leuchtete.
„Nein, danke.“
Ihr Lachen hob sich über den Lärm der Menge. „Komm schon. Hier wird’s gleich wild. Irgendwer kippt dir garantiert was drüber.“
„Ich. Verschütte. Nichts.“ Ich hob die Hand, um sie zum Schweigen zu bringen, und deutete auf die Seite der Bar, wo die blonde Rebellin auf einem Hocker saß. „Ich übernehme die Seite. Sag mir Bescheid, wenn du Kendra siehst.“
Ich stopfte die grauenhafte Schürze unter die Theke und schlenderte um die Ecke, vorbei an dekorativ gestapelten Bierkrügen.
Sie saß im Schneidersitz auf dem Barhocker und nippte an ihrem Tomatensaft.
Widerlich.
So sehr ich Tomaten hasste, ich würde es ihr nicht übelnehmen. Ich kannte jemanden, der diese Frucht liebte. Und ich hatte sie verdammt geliebt.
Reiß dich zusammen.
Ihr Blick sank zu ihrem Ausschnitt.
Und ich sagte das Erste, was mir in den Kopf kam.
„Und? Fündig geworden?“
Erhältlich bei:
Perfekt für Leserinnen, die Age-Gap-Bodyguard-Romanzen mit Gefahr, Verrat und einem intensiven Happy End lieben.






